
O du Fröhliche
Sandsack-Geschenke für Niedersachsen
Es war der erste Weihnachtstag und wir packten gerade bei meiner Oma mit allen acht Enkeln und 11 Urenkeln die Geschenke aus, als ein lautes Piepen ertönte. Mein Funkmeldeempfänger gab Alarm: „Zugführer 82, bitte den Stadtbrandmeister anrufen!“. Es hatte sich schon angedeutet, und mein Cousin – ebenfalls Mitglied der Freiwilligen Feuerwehr in Peine – grinste zu mir rüber und fragte: „Na? Geht es für Dich jetzt auch los?“. Und ja, es ging los:
Der Fachzug 82 – bestehend aus den Ortsfeuerwehren Bienrode, Thune und Wenden wurde angefordert, um im Gut Steinhof bei Watenbüttel Sandsäcke für das bevorstehende Hochwasser zu füllen. Laut einer, für übertrieben-dramatische Schlagzeilen bekannten Tageszeitung, rollte eine „Flutwelle“ auf Braunschweig zu. Nach einigen Telefonaten zwischen Zugführern und Ortsbrandmeistern wurde binnen einer Stunde eine schlagkräftige Truppe aller drei Ortsfeuerwehren zusammengestellt und vier Stunden später ging es dann um 22:00 Uhr mit dem Fachzug in eine Halle der Braunschweiger Stadtentwässerung. Die erste Schicht übernahm unser Zugführer Detlef, die zweite Schicht in der darauffolgenden Nacht übernahm ich in meiner Funktion als stellvertretender Zugführer. So konnten wir uns gut aufteilen und stellten sicher, dass immer eine Führungskraft im Ruhemodus war und Weihnachten im Kreise der Familie nicht vollständig unterbrochen wurde. Gleiches galt für die Kameradinnen und Kameraden. Die Bereitschaft war groß.
Es meldeten sich mehr Helfer, als wir auf den Fahrzeugen Sitzplätze hatten.

Und so ging es mit Unterstützung einer Soundbox zunächst mit Weihnachtsliedern, zur späteren Stunde dann mit „Radio Bollerwagen“ in die Nacht hinein. Es wurden Sandsäcke über die Sandsackfüllmaschine oder von Hand gefüllt. Wir arbeiteten in mehreren Teams und tauschten immer wieder die Positionen (Schaufler, Näher und Schlepper) durch. Für ausreichend Sand war immer gesorgt und einige Kameraden zeigten ungeahnte Talente an der Sandsack-Nähmaschine. Trotz der späten Stunde war die Stimmung gut, es gab leckere Verpflegung, die große Feuerwehr-Familie war zusammen und alle wussten, dass wir hier gerade gebraucht werden. Viele da draußen warteten sehnsüchtig auf die Sandsäcke, um Hab und Gut zu schützen. Nach sechs Stunden harter Arbeit blickten wir auf 46 Paletten mit jeweils 90 gefüllten Sandsäcken und waren mächtig stolz auf diesen außergewöhlichen Weihnachts-Einsatz.
Der Zusammenhalt bei diesem Einsatz und das fröhliche Miteinander werden mir noch lange in Erinnerung bleiben. Wenn es darauf ankommt, sind wir da.

