Igel im Mayoglas

Feuerwehr befreit Igel –
Unser skurrilster Einsatz wurde zur Schlagzeile!

Meine Frau Verena (ebenfalls Mitglied der Freiwilligen Feuerwehr) und ich hatten eine anstrengende Woche hinter uns. Ich hatte zahlreiche Überstunden bei der Arbeit, unser 3-jähriger Sohn bekam gerade einen weiteren Milchzahn und auch bei der Feuerwehr hatten wir bereits den dritten Hilfeleistungs-Einsatz binnen einer Woche. Ich war müde und erschöpft und sagte beim ins Bett gehen zu ihr: „Wenn heute Nacht ein Einsatz kommt, so irgendwas kleines, dann fährst du mit und ich bleibe beim Kind!“.

Wir schliefen ein und mitten im Tiefschlaf ertönte nachts um 3:15 Uhr der Funkmeldeempfänger mit einem lauten ALARM. Verena sprang auf und las den Meldetext vor: „Hilfeleistung klein – Igel im Mayo-Glas“. Ich antwortete: „Igel im was?“. Sie wiederholte „Igel im Mayo-Glas“.

Ich dachte, das ist jetzt ein Scherz.

Das glaube ich nicht. Wieso sollte uns die Leitstelle zu einem Igel im Mayonaisen-Glas schicken? Völlig entrüstet sprang ich auf und sagte, dass muss ich mir ansehen. Sie guckte noch verdutzt, als ich schon aus der Wohnung rannte und brüllte noch hinterher „Aber ich bin doch dran…“. Meine Gedanken waren woanders. Hat sich die Leitstelle einen Scherz erlaubt? Hat da jemand eine Wette verloren? Wieso nachts um 3 Uhr? Wieso fährt da nicht das KLAF (Kleinalarmfahrzeug der Berufsfeuerwehr für Tierrettungen) hin?

Nun ja, so standen wir mit 20 Frauen und Männer am Feuerwehrhaus und hörten auf die Einweisung über Sprechfunk: „Guten Morgen, fahrt mal bitte Im Großen Moore zur Tierrettung. Dort steckt ein Igel in einem Glas fest. Sicherheitsdienst der Flüchtlingsunterkunft ist vor Ort und weist euch ein. Berufsfeuerwehr ist gerade ausverkauft, kein KLAF verfügbar“. So fuhren wir mit unseren drei Fahrzeugen hin und konnten vor Ort unseren Augen nicht trauen.

Ein kleiner süßer Igel steckte mit seinem Schleckermaul in einem Babybrei-Glas fest.

Die rückläufigen Stacheln verhinderten ein Hinauskommen aus der Öffnung des Glases. Ich glaube, der Igel merkte in dem Moment nicht, wie ihm geschah. Drei Handlampen und 40 Augen waren auf ihn und seine missliche Lage gerichtet. Der Sicherheitsdienst berichtete, dass sie ihn an den Containern gefunden hatten. Er knallte mit dem Glas immer wieder irgendwo gegen und verursachte so ein Bollern, dass der Sicherheitsdienst stutzig wurde. Nach erfolglosen Versuchen, den Igel zu befreien, riefen sie die Feuerwehr. Und nun ging bei uns die Diskussion los. Wie bekommen wir ihn frei, ohne ihn zu verletzen? PROs und CONTRAs wurden erörtert, bis wir uns für den Federkörner entschieden. Patientenschonend setzten wir an der entferntesten Ecke des Glases an und ließen das Glas zerspringen. Vorsichtig entfernten wir die ersten Glasteile. Als nur noch ein kleiner Glasring übrig war, ließen wir auch diesen zerkörnen. Dabei erschrak sich der Igel und rollte sich ein. Dabei zog er eine Glasscheibe mit in seine Kugel. In den Händen unserer Kameradin Amrei ließen wir ihn kurz zur Ruhe kommen. Nachdem er sich wieder entspannt hatte, konnten wir die letzte Glasscherbe von seinen Stacheln befreien. Nachdem wir keinerlei Verletzungen feststellen konnten, brachten wir ihn zum Bienroder See und entließen ihn in die Freiheit.

Am Feuerwehrhaus angekommen waren die ersten Sonnenstrahlen zu sehen und wir scherzten noch, ob das etwas für die Presse wäre, denn Tiere und Kinder gehen immer. Nach Rücksprache mit dem Presseteam der Feuerwehr Braunschweig schrieben wir einen Kurzbericht, der es sogar bis in die überregionale Presse schaffte.