Großbrand am Schöppenstedter Turm

Ein Einsatz, der für immer im Gedächtnis bleibt.

Am 16. April 2024 kam es zu einem Großeinsatz, den vermutlich keiner von uns jemals vergessen wird. Wir wurden mit dem Fachzug 82 (Fachzug Rettung, zusammengesetzt aus Bienrode, Thune und Wenden) zum Stichwort B4 (Brand Großschadenslage) am Schöppenstedter Turm zusammen mit vielen anderen Fachzügen alarmiert. Zuvor war die Brandmeldeanlage ausgelöst worden und die ersteintreffenden Kräfte der Berufsfeuerwehr konnten den Brand bestätigen. Innerhalb kürzester Zeit breitete sich das Feuer aus, sodass das Stichwort schnell erhöht wurde.

Beim Eintreffen vor Ort fand ich mich neben einer überdimensionalen, von Flammenzungen durchzogenen Rauchwolke wieder. Die Geräuschkulisse durch andauernde Explosionen war beeindruckend.

Bei den eingesetzten Führungskräften war der Respekt vor dieser Lage deutlich in den Gesichtern zu erkennen.

Im ersten Moment bereitete ich mich zusammen mit meinem Truppartner Nico auf die Rettung möglicherweise verletzter Kameraden vor. Wir stellten uns als sog. Sicherheitstrupp bereit. Zuvor war es schon zu größeren Explosionen gekommen, bei denen sich Kameraden verletzt hatten.

In den nächsten Momenten wurden jedoch schrittweise Rückzugsbefehle erteilt. Wir sollten zunächst die Straßenseite wechseln. Folgend einige Meter weiter die Straßen entlanggehen, bis wir letztlich mit dem Material, was wir tragen konnten, zur nächstgelegenen Kreuzung wanderten. Ich war dabei durchgehend voll ausgerüstet und wusste noch gar nicht so richtig, was eigentlich los ist. Als wir dort ankamen, erfolgte der Befehl, unsere Fahrzeuge mitzunehmen und uns weiter zurückzuziehen. Das Material, das wir in den Händen hielten, nahmen wir mit, alles andere wurde zurückgelassen. Wir zogen uns zunächst mehrere hundert Meter zurück.

Während wir es noch koordiniert auf die Fahrzeuge geschafft haben, konnten wir beobachten, wie andere Einsatzkräfte, teilweise zu Fuß, über die angrenzende Wiese flüchteten.

Das sind Bilder, die vermutlich für immer im Kopf bleiben.

Sie mussten teilweise ihr Material und die Fahrzeuge zurücklassen. Es gab das Gerücht, dass eine Drehleiter in den Flammen verloren worden sei.

Die massive Brandausbreitung war nicht zu stoppen und die Gefahr von größeren Explosionen durch diverse Gefahrgutlager zu groß. Somit verlegten wir unseren Standort noch einmal in einen mehrere Kilometer entfernten Bereitstellungsraum. Dort kam es zum ersten Austausch mit anderen Einsatzkräften, die bereits zu Beginn des Einsatzes vor Ort waren und ihre Erfahrungen vom bisherigen Einsatz teilten.

Ein Kamerad, welcher sich zum Zeitpunkt der ersten Explosion im Gebäude befand, berichtete, dass er sich nur durch Glück an einem Geländer festhalten konnte und dadurch nicht die Treppe herunter gegen eine Wand geschleudert worden sei.

Durch diese Erfahrungsberichte, auch später im Nachgang, wurde uns zwar bewusst, wie gefährlich unsere Tätigkeit sein kann, jedoch auch, wie wichtig es ist, dass es Menschen gibt, die sich füreinander einsetzen.

Nur durch die gute Ausbildung und das umsichtige Handeln aller Beteiligten, gab es an diesem Tag “nur” zwei leicht verletzte Kameraden. Alle Mitarbeiter der Firma konnten rechtzeitig in Sicherheit gebracht werden. Ich erfuhr später, dass die zurückgelassene Drehleiter wie durch ein Wunder gerettet werden konnte. Jemand hatte beim Rückzug einen Wasserwerfer auf sie gerichtet.

Als wir erneut vor Ort eintrafen, war die Einsatzstelle nicht mehr ein einziger großer Brand. Sie war in etliche kleinere und größere Brandstellen aufgeteilt, die über das gesamte Gelände verteilt waren. Dieses konnte nur unter Atemschutz betreten werden. Ein Teil von uns baute auf dem HLF Wenden ein Wasserwerfer auf. Somit war eine Brandbekämpfung von außen möglich. Ein sich ausbreitender Flächenbrand wurde ebenfalls erkannt und bekämpft.

Die Atemschutzgeräteträger wurden gesammelt. Um die vielen Brandstellen auf dem Gelände zu bekämpfen, wurden sie nach und nach eingesetzt.

Es fühlte sich an, als würde es sich um ein riesiges Übungsgelände mit Lagen für Gruppenführer und Zugführer handeln, die alle gleichzeitig bearbeitet werden mussten.

Hier brannte noch ein Gebäude, dort ein Pkw, ein Tanklastzug, eine Scheune, Paletten, ein Stapler und vieles mehr. Ein brennender Container am Gebäude, zu dem die Feuerwehr normalerweise auch mit Alarm mit dem Löschzug ausrückt, war hier nur Nebensache. Überall lag teilweise verbranntes Material herum, welches zuvor zurückgelassen wurde. Die einzelnen Brandstellen wurden, so gut es möglich war, unter Kontrolle gebracht. Das Betreten von Gebäudeteilen war aufgrund akuter Einsturzgefahr nicht möglich.

Am späten Abend kam es erneut zu einer Durchzündung in einem Gebäude. Aufgrund der Einsturzgefahr wurden die Trupps zunächst vom Gelände zurückgezogen und die dort eingesetzte Drehleiter kümmerte sich um die Brandbekämpfung durch die Fenster. Auf der Gebäuderückseite wurde noch ein Wasserwerfer aufgebaut.

Die Pause nutzend, konnten wir uns verpflegen und wurden nach fast 12-stündigem Einsatz vom nächsten Fachzug aus dem Einsatz abgelöst.