Wie könnte ein Übungsdienst aussehen?

Für unsere Übungsdienste treffen wir uns am Feuerwehrhaus. Alle ziehen sich ihre Einsatzbekleidung an und dann kann es auch schon losgehen. Jeder bekommt eine Funktion und damit auch einen Platz auf dem Fahrzeug zugewiesen. Dann heißt es „Aufsitzen“ und Abfahrt.

Während der Fahrt wird das Übungsszenario bekanntgegeben. Wichtig ist, dass wir, wie im echten Einsatz, wissen, ob wir uns auf Brandbekämpfung oder technische Hilfeleistung einstellen müssen. „Brandbekämpfung“ wird nach hinten gerufen, „PA schultern, keine Masken“. Wir üben heute ohne die Atemschutzgeräte zu verbrauchen.

Übungsort ist bei unserem Ortsbrandmeister im Garten. Die restliche Lage ergibt sich dann vor Ort. Die Gruppenführerin erkundet die Lage. Dann erhält der Angriffstrupp seinen Befehl: „Es brennt eine Gartenhütte, Wasserentnahmestelle Unterflurhydrant, Verteiler vor das Gartentor, zum Einsatz fertig.“.
Der Angriffstruppführer wiederholt „Zum Einsatz fertig“, um zu signalisieren, dass der Befehl verstanden wurde. Dies ist das Signal für die Gruppe, einen „Einsatz mit Bereitstellung“ aufzubauen, während die Gruppenführerin weiter erkundet.

Wir bauen eine Wasserversorgung zum Fahrzeug auf und legen eine Leitung zum Verteiler. Alles weitere Material wird am Verteiler bereitgestellt. Jeder in der Gruppe weiß, was zu tun ist. Wenn jemand nicht weiter weiß, kann er aber jederzeit die anderen um Unterstützung bitten, immerhin ist es eine Übung und auch aus Fehlern lernen wir.

Nach der Erkundung gibt es dann den weiteren Befehl: „Angriffstrupp zur Brandbekämpfung mit dem 1. Rohr auf die brennende Gartenhütte durch den Garten vor.“ Damit weiß wieder jeder was zu tun ist, um den restlichen Löschangriff aufzubauen. Sobald alles steht, ist die Übung beendet. Wir besprechen, was gut lief und was wir besser machen können. Dann geht es weiter.Nach den Übungen kümmert sich ein Teil der Gruppe darum, die Fahrzeuge und das Material wieder Einsatzbereit zu machen, die anderen kümmern sich darum, das Essen vorzubereiten. Jeder ist mal dran, sich um das Essen zu kümmern, meistens wird selbst gekocht.

Der Übungsdienst endet oft mit netten Gesprächen und Beisammensein.

Ein Übungsdienst, der noch lange in Erinnerung bleiben wird – es lief etwas aus dem Ruder…

In den Schulferien finden innerhalb der Ortsfeuerwehr Bienrode allgemeine Dienste für alle Gruppen gemeinsam statt. Diesmal sollte es eine schöne kleine Übung für ein bis zwei Löschgruppen im Innenangriff mit Menschenrettung werden.

Im Übungsgebäude wurde das Dachgeschoss für die Übung ausgewählt, zwei Dummys für die Menschenrettung die Treppen nach oben geschleppt, ein Dummy nach draußen in die Sitzecke gesetzt, die Nebelmaschine angeschlossen und die Übung war fertig vorbereitet. Das Ziel der Übung war klar: Die Menschenrettung aus dem Dachgeschoss.

Die Fahrzeugführer bekamen auf der Anfahrt folgenden Einsatzbefehl: Rauchentwicklung im Dachbereich eines Gebäudes.

Um nicht zu viele Zugangsmöglichkeiten zur Auswahl zu stellen, wurde der linke Eingang zum Gebäude durch eine Fachfirma für Holztreppen versperrt, sodass das Treppenhaus zwischen dem EG und dem ersten OG nicht als Weg zur Verfügung stand. Der rechte Eingang mit dem zweiten Treppenhaus war geplant durch die Tür verschlossen. Im ersten OG wurden zwei Fenster geöffnet: Mittig des Gebäudes und an der Stirnseite. Hier sollten die Atemschutztrupps sich ihren Zugang mittels Steckleiter zum Gebäude verschaffen und die Menschenrettung durchführen.

Bei der Erkundung hat sich der Melder der ersten Gruppe vom HLF für das Fenster mittig des Gebäudes entschieden (die Übungsvorbereitung hätte sich das auf der Stirnseite erhofft) und dort seinen Angriffstrupp in das Gebäude vorgeschickt. Zeitgleich stieß der Gruppenführer Bienrode auf den Anwohner, der einen Schlüssel für die Tür besaß (dieses war so früh von den Übungsvorbereitern nicht geplant und brachte den zeitlichen Ablauf etwas durcheinander). Somit konnte sich über den rechten Eingang ein Trupp der zweiten Löschgruppe vom TLF unter Atemschutz mit einer Schlauchleitung Zugang verschaffen.

Als dieser Fehler auffiel, hatte der Angriffstrupp vom HLF mittlerweile das gesamte 1. und 2. OG mit einer vollen C-Schlauchleitung abgesucht und im 2. OG einen Dummy gefunden. Dieser wurde umgehend aus dem Gebäude gebracht. Der Angriffstrupp vom Tanklöschfahrzeug bahnte sich seinen Weg über das rechte Treppenhaus und der zweiten Etage in das Dachgeschoss auf der linken Seite.

Die Trupps draußen fanden nun den Dummy in der Sitzecke. Dieser hatte einen Zettel mit folgenden Informationen: Welche Etage, wie viele Personen und welche Seite des Gebäudes. Diese Angaben passten zwar zur vorbereiteten Übungslage aber die Übung hatte sich bereits vollends dynamisch entwickelt. Es wurden sämtliche auf den Fahrzeugen befindlichen C-Druckschläuche für den Innenangriff ausgepackt und ausgerollt (also mehr als 300 Meter), alle acht Atemschutzgeräte verbraucht und die Trupps gingen an ihre körperlichen Grenzen. Dann gab es nach 55 Minuten endliche eine Abschlussmeldung: In Summe sieben Betroffene. Donnerwetter! Es gab doch nur drei Dummys. Wo kommt jetzt diese Zahl her?

Die Kräfte kümmerten sich zum einen auch fürsorglich um alle Statisten und der Dummy, der im 2. OG aufgefunden wurde, war Justus, der freundliche Kamerad der Auszubildenden der Berufsfeuerwehr, der überall mit hinkommt und nie allein gelassen wird. Er spielte zwar bei unserer Übung nicht mit, aber wir kümmerten uns an diesem Abend sehr liebevoll um ihn.

Sieben Betroffene und eine Übung über vier Etagen mit verlegten Schlauchleitungen länger als 300m, ist eigentlich durch keine zwei Löschgruppen mehr allein abzuarbeiten. Das ist in der Regel eine Lage für zwei ganze Löschzüge.

Fazit: Die Übung war für ein bis zwei Löschgruppen geplant, entwickelte sich aber durch ungeplante Faktoren eigentlich zu einer Bereitschaftsübung für zwei Löschzüge, die den Einsatzkräften alles abverlangte, aber mit zwei Löschgruppen erfolgreich gemeistert wurde. Die Gespräche und Erzählungen danach blieben in lustiger Erinnerung an diesen etwas außergewöhnlichen Übungsdienst.